Qualität = persönlicher Nutzen / Schaden

Qualität entwickelt sich weiter. Der Wert des Produktes wird zum persönlichen Nutzen, wenn die Spontanität beim Kauf kontrolliert wird, die manchmal einem nutzlosen Produkt einen momentanen Wert geben kann. Erst die Antwort auf die Frage „Welchen langfristigen Nutzen hat das Produkt mit allen seinen wunderbaren Eigenschaften für mich?“ entscheidet über seine Qualität. Die Abwägung fällt vielen zurzeit noch sehr schwer.  Der Preis wird zum Schaden, wenn alle Schäden an der Umwelt einbezogen sind, die bei der Produktion und Nutzung eines Produktes angerichtet werden, die also entstehen auf dem Weg von der Wiege zur Bahre oder besser von der Wiege zur Wiege, wenn langsames Downcycling berücksichtigt wird.

Die Globalisierung und das Pariser Klimaabkommen sorgen für eine Beschleunigung der Entwicklung. Neue Gedanken kommen auf. Gesellschaftliche Werte werden hinterfragt.

Zum Beispiel zwingt in einigen Ländern seit Jahren ein Produkthaftpflichtgesetz Unternehmen zur Haftung bei Personenschäden mit Produkten und dadurch zu Sicherheitsvorkehrungen wie Versicherungen oder technischen Maßnahmen.

Arbeitssicherheit wird immer häufiger gesetzlich vorgeschrieben und Verstöße gegen die Vorschriften werden geahndet. Rentensysteme und Krankenversicherungssysteme schützen die Menschen.

Verletzungen von Menschen und der Umwelt infolge von Anwendungsfehlern werden vermieden durch weitgehend selbstregelnde Produkte.

Wo das der Fall ist, sind die Kosten im Preis eingerechnet. Kunden kaufen aber gern dort, wo es keine Regeln gibt, weil die Produkte billiger sind. Wichtige Kostenfaktoren sind dort im Preis noch nicht eingeschlossen, weil Schäden zulasten der Natur und der Gesellschaft gehen.

Beschädigung der Natur durch Abgase, Abwasser, Abfälle und Ressourcenverbrauch sind bei der Abschätzung von Qualität zu selten einbezogen. Darauf, dass ein Umdenken begonnen hat, weisen Schlagworte und Maßnahmen wie „Internalisierung externer Kosten“, „nachhaltiges Wirtschaften“ - nachhaltig im ursprünglichen Sinn von Nutzen von natürlichen Ressourcen, so dass sie sich innerhalb absehbarer Zeiträume regenerieren können, „FCKW-Verbot“, „CO2-Zertifikatehandel“. Aber umgesetzt ist davon nur sehr wenig.

Qualität = Nutzen / Schaden berücksichtigt diese Aspekte besser. Dann werden Waren und Dienstleistungen in Angeboten mit ihrem Nutzen und auch den damit anzurichtenden Schäden ausgezeichnet; z.B. mit ihrem CO2-Fußabdruck, ihrer Haltbarkeit und Reparaturfreundlichkeit.

Qualität wirkt weniger ausdrucksstark als eindrucksvoll. Produkte verschmelzen spürbar im Einklang mit der Umwelt. Von ihnen geht Ruhe, Vertrauen, Zuverlässigkeit aus. Ihre elegante Schönheit beglückt. Ihr Klang berührt das Herz. Ihr Duft erhebt die Sinne. Ihr Genuss sättigt. Qualität verzaubert Kunden wie Produzenten.

Wohnen in kleinen heimeligen Häusern oder Wohnungen wird modern. Vor den Wohnungen erstreckt sich auch in Mega-Städten Kulturlandschaft mit Landwirtschaft, kleinen dezentralen Produktionsstätten und schmalen Verkehrswegen zur individuellen Nutzung. Lebensqualität ergibt sich aus Spaziergängen und der Freude z.B. an einer Blüte am Wegrand. Nahrungsmittel machen satt und gesund. Die zum Leben nötigen Produkte, auch einige Lebensmittel, werden vor Ort in kleinen Bioreaktoren mit Hilfe von Mikroorganismen frisch hergestellt. Sie verrotten nach dem Gebrauch und geben neue Nährstoffe. Statt strapaziös und umweltschädigend zu reisen, beamt man sich ans Ziel. Kommunikation und Information geschehen über unbedenkliche Netzwerke. Wände, Decken, Fahrzeugkarosserien und Kleidungsstücken liefern elektrischen Strom und Wärme. Menschen arbeiten nicht, sondern gestalten kreativ. Sie gehen dann hoffentlich respektvoll und gerecht miteinander um.

Umweltzertifikate dienen als Zahlungsmittel, ähnlich CO2-Zertifikaten, mit denen Schäden ausgeglichen werden. Statt Geld verdient jeder mit seiner Arbeit – mit seinen Kräften und seiner Kreativität - Umweltzertifikate, die auf Ökobilanzen beruhen, und bezahlt auch damit. Ein Produkt wird umso teurer, je größere Umweltschäden damit angerichtet werden. Umweltzertifikate unterliegen dem Prinzip Cup and Trade und können deshalb durch internationale Entscheidungen gelenkt werden. Wie das gehen könnte, wird gerade beim CO2-Zertifikate-Handel erprobt.